In neun Monaten zum geliebten Zuhause
Zimmermanns Kreatives Wohnen verwandelte eine Villa im toskanischen Stil in ein modernes Familiendomizil, in dem alle Generationen zuhause und gerne zu Besuch sind. Wie gingen die Innenarchitekten bei der Planung und Projektsteuerung vor ? Einblicke gibt ein Gespräch mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Dipl.-Ing. Frank Zimmermanns.
Dieses Haus wirkt heute modern und emotional – und trotzdem klassisch. Wo setzt du bei so einem Projekt als Erstes an?
Frank Zimmermanns: Ich starte immer mit der Frage: Was soll bleiben – und warum?
Hier hatte das Haus eine starke klassische Struktur: Raumhöhen, Stuck, Proportionen. Wenn ich das kaputtplane, verliere ich die Eleganz, die man nicht kaufen kann. Also habe ich das Bestehende als Bühne genommen – und dann die neuen Materialien, Farben und das Licht wie eine Inszenierung darauf gesetzt.

Entrée & Treppe: Der erste Eindruck entscheidet in 3 Sekunden
Du nennst das Entrée ein Highlight. Was war dort die Kernidee?
Frank Zimmermanns: Der Eingangsbereich ist die Visitenkarte. Viele Häuser verschenken genau diesen Moment. Hier wollte ich: Licht, Material, Klarheit. Wir haben die Bocci-Leuchten umdesignt – aus drei Einzelstücken wurde eine neue, zusammenhängende Skulptur. Das ist kein „Deko-Update“, das ist Handwerk und Haltung.
Die Treppe blieb – trotzdem wirkt alles neu. Wie gelingt das?
Frank Zimmermanns: Ich habe die Treppe als Konstante behandelt und das Licht als Transformation. Wir haben die Beleuchtung aufwändig neu gedacht, weil Licht die Architektur zeichnet. Dazu kamen Metallfronten von De Castelli. Im Entrée darf Material sprechen – dort beginnt die Erzählung des Hauses.
Du hast auch ein neues Farbschema durchgezogen. Warum so konsequent?
Frank Zimmermanns: Weil ein Haus sonst wie eine Sammlung einzelner Pinterest-Räume wirkt. Ich arbeite lieber wie ein Regisseur: wiederkehrende Farben und Materialien als Leitmotiv, damit jeder Raum eigenständig bleibt – aber Teil des Ganzen.
Wohnen & Essen: Dunkler, emotionaler – und trotzdem leicht
Ihr habt Wohn- und Essbereich bewusst dunkler gestaltet. Viele haben Angst davor.
Frank Zimmermanns: Dunkel macht nicht automatisch „klein“. Dunkel macht tief. In klassischen Räumen mit Stuck und Höhe wirkt ein dunkler Ton oft sogar großzügiger, weil er die Kanten beruhigt und die Formen eleganter zeigt.
Der Eichenparkettboden wurde abgeschliffen und dunkler behandelt. Was war die Idee dahinter?
Frank Zimmermanns: Ich wollte Wärme und Erdung. Ein dunklerer Eicheton trägt Möbel und Licht besser. Und er gibt den Räumen dieses „Abends-zu-Hause“-Gefühl – auch am Mittag.
Du erwähnst, ihr habt die Lichtkonzeption komplett überarbeitet – inklusive der 30-cm-Abstände zwischen Leuchten. Was steckt dahinter?
Frank Zimmermanns: Viele Bestandsdecken sehen aus wie ein Raster aus Spots. Das macht unruhig und technisch. Ich habe die Leuchten reduziert und bessere Abstrahlung geplant. Weniger Punkte, mehr Wirkung: gezielte Akzente, ruhige Grundhelligkeit, angenehme Zonen. Das ist Wohnlichkeit per Licht.
Der Kamin bekam massiv Kupfer und wurde zum Blickfang. Wie kam es dazu?
Frank Zimmermanns: Der Kamin war vorher „da“. Ich wollte, dass er spricht. Kupfer bringt Glanz und Tiefe gegen dunkle Wandtöne. Und De Castelli in Italien liefert Materialqualität, die man sieht und fühlt. Der Kamin wird dadurch zum Mittelpunkt, ohne laut zu sein.
Der Essbereich wirkt heller – warum der Wechsel?
Frank Zimmermanns: Wohnen darf dramatischer sein, Essen darf einladender wirken. Ich habe die Wandfarbe heller gewählt und die Materialien hochwertig kombiniert: Lederfronten, Holz, Stein. So bleibt es edel, aber freundlicher. Der Raum soll Gespräche tragen, Gäste anziehen, Alltag aushalten.

Erdgeschoss: Familienlogik statt „Showroom“
Im Erdgeschoss geht’s um Familie und Kommunikation. Wie übersetzt du das in Planung?
Frank Zimmermanns: Ich plane Wege und Situationen. Hier hat das Spielzimmer eine 6,50-Meter-Sitzbank bekommen – mit Stauraum. Das klingt nach Möbel, ist aber eigentlich Organisation: Du hältst Ordnung, ohne dass es nach „Aufräumen“ aussieht.
Und diese Volanteko-Tapete?
Frank Zimmermanns: Kinder brauchen Fantasie, Erwachsene brauchen Stil. Diese Tapete bringt Spielfreude, ohne den Raum billig wirken zu lassen. Außerdem ist das eine Akustiktapete, die insbesondere hohe Töne gut dämpft. Dazu kommen zwei bewegliche Tischkuben mit individueller Beleuchtung. Kinder verändern Räume permanent – ich gebe ihnen dafür flexible Bausteine.
Das Spielzimmer bleibt offen zum Wohnzimmer. Absicht?
Frank Zimmermanns: Ja. Familie funktioniert über Sichtbeziehungen. Offenheit hält Kommunikation am Laufen – auch wenn die Räume unterschiedliche Nutzungen haben.
Das Büro wurde komplett neu geplant, sogar mit neuen Wänden. Warum so radikal?
Frank Zimmermanns: Weil Homeoffice nicht nebenbei passieren darf. Wenn du konzentriert arbeiten willst, brauchst du Struktur: klare Raumaufteilung, passende Einbauten, ruhige Farbigkeit. Ich habe es ins Farbkonzept des Erdgeschosses eingebunden, damit es nicht wie ein Fremdkörper wirkt.
Schlafräume: Zwei Persönlichkeiten, ein roter Faden
Im Schlafzimmer habt ihr zwei Welten geschaffen: maskulin vs. soft. Wie vermeidest du dabei Stilbruch?
Frank Zimmermanns: Ich trenne Stimmung und System. Die Stimmung darf unterschiedlich sein: Beim Herrenschlafzimmer maskuline Töne, Leder, mehr Tiefe. Beim Damenschlafzimmer taupecremige Nuancen, weicher, ruhiger. Aber das System hält alles zusammen: gleiche Musteridee auf den Headwänden – nur in anderen Farben.
Warum der dunkle Teppich durchgehend?
Frank Zimmermanns: Teppich macht sofort etwas mit Akustik und Wärme. Der dunkle Ton zieht sich durch Schlafbereich und Ankleide und schafft Behaglichkeit wie ein „Teppich aus Ruhe“. Außerdem verbindet er die Räume, ohne dass man es bewusst merkt.
Und statt neue Schränke: lederbezogene Fronten auf bestehenden Einbauten. Warum dieser Weg?
Frank Zimmermanns: Weil ich Nachhaltigkeit und Qualität ernst nehme. Die Einbauten hatten Substanz. Ich habe sie nicht ersetzt, ich habe sie veredelt. Lederfronten geben dem Ganzen einen modernen, maßgeschneiderten Charakter – ohne Abrissmentalität.

Kunstvolle Korallentapete
Bad: Der Moment, in dem aus „funktional“ plötzlich „Atmosphäre“ wird
Das Hauptbad im ersten Obergeschoss ist komplett neu. Was war der Trigger?
Frank Zimmermanns: Der alte Grundriss hat den Raum klein gedacht. Ich habe ihn groß gedacht. Wir haben den Grundriss neu aufgebaut, weil sich ein Bad nicht wie ein Technikraum anfühlen darf. Sobald du reinkommst, willst du Ruhe spüren – und gleichzeitig einen Wow-Moment.
Der Wow-Moment ist diese Relief-Tapete mit Korallenlandschaft. Warum ausgerechnet so ein Motiv?
Frank Zimmermanns: Weil das Bad nicht nur „schön“ sein sollte, sondern eine Emotion auslöst. Diese Korallenstruktur macht etwas mit dir: Sie wirkt organisch, fast wie eine Landschaft. Dazu habe ich bewusst kontrastierende Materialien gesetzt – Stein, Lack, Holz, Bronze. Das klingt nach vielen Zutaten, aber genau diese Spannung macht den Raum lebendig.
Und die freistehende Wanne?
Frank Zimmermanns: Die Wanne ist hier kein Objekt „irgendwo“, sondern ein Platz. Ich habe sie so positioniert, dass sie einlädt – wie ein Sessel. Du setzt dich nicht in eine Ecke, du betrittst einen Bereich. Das ist ein kleiner Unterschied in der Planung, aber ein riesiger Unterschied im Gefühl.
Gäste-WC und Hauptbad greifen das Konzept auf. Absicht?
Frank Zimmermanns: Total. Wenn das Gäste-WC eine andere Sprache spricht, bricht die Geschichte. Ich wollte, dass man im Haus ein zusammenhängendes Raumgefühl erlebt – auch in den kleinen Räumen.
Ankleide & Nebenräume: Luxus entsteht oft im Unsichtbaren
Was passiert in den „kleinen“ Bereichen wie Ankleide und Gäste-WC unten?
Frank Zimmermanns: Genau dort entscheidet sich Komfort. In der Ankleide habe ich die Beleuchtung komplett neu geplant, damit Spiegel und Schrankelemente richtig funktionieren. Wenn Licht dort falsch sitzt, nervt dich das jeden Tag. Wenn es richtig sitzt, fühlt sich Alltag wie Luxus an.
Akustikdecken gegen Spielgeräusche – klingt nach Detail, macht aber viel aus, oder?
Frank Zimmermanns: Extrem. Ohne Akustik wird so ein Bereich anstrengend. Mit Akustik wird er familientauglich. Du merkst das sofort – und du nutzt den Raum plötzlich gern.
Sauna plus Dampfbad, Terrazzo – warum diese Kombination?
Frank Zimmermanns: Wellness soll sich hochwertig anfühlen, nicht wie ein Anbau. Terrazzo bringt Substanz und Eleganz, Dampfbad ergänzt die Sauna funktional. Und dann kommt wieder die Inszenierung: Licht als Stimmungsträger, Materialien als „Kunstwerk“. Der Bereich soll Rückzug bieten – und gleichzeitig die Qualität des gesamten Hauses bestätigen.
Wenn du dieses Projekt in einem Satz zusammenfassen müsstest – was ist die Essenz?
Frank Zimmermanns: Wir haben nicht einfach renoviert. Wir haben ein klassisches Haus genommen und ihm eine neue emotionale Identität gegeben – mit Licht, Material und einer klaren Geschichte von Raum zu Raum.

Spa & Schwimmbad: Wenn Technik die Gestaltung zwingt
Der Schwimmbadbereich hatte Feuchtigkeitsprobleme und musste komplett neu. Wie gehst du in so einer Situation vor?
Frank Zimmermanns: Ich kombiniere Pragmatismus und Anspruch. Feuchtigkeit ist kein „Designproblem“, das ist ein Bauproblem. Wir haben den Bereich vollständig neu aufgebaut und eine Fachfirma eingebunden. Danach habe ich den Raum wieder als Erlebnis gedacht: Akustik, Licht, Materialien.











